Wir wissen immer noch nicht, wie ernst die aktuelle Krise noch wird. Zu denken, das Schlimmste sei bereits vorüber, ist vielleicht sogar fatal. Eine exportabhängige Wirtschaft wie die deutsche wird länger und grundlegender betroffen sein als andere wie beispielsweise die französische. Dennoch besteht wenig Grund für den bekannten deutschen Alarmismus. Vielleicht werden wir die gegenwärtige Zeit einmal als die spannendste in unserem Leben bezeichnen. Wir werden sehen und erkennen, was Unternehmer und Politiker, was Mitarbeiter, was Partner, Familien, was wir selbst taugen.
Im wesentlichen sind es kleine und mittelgroße Unternehmen, die in diesem und in den kommenden Jahren entstehen und investieren werden. Was zeichnet sie aus, worin unterscheiden sie sich? Und wie können wir gemeinsam in der Krise bestehen, Lieferanten, Zulieferer, Händler und Industriebetriebe?
Nach der Krise werden wir mehr und andere Unternehmen sowie Selbständige haben und insgesamt gestärkt aus ihr hervor gehen.
Die deutsche Wirtschaft ist im internationalen Vergleich stark industriell geprägt. Der Anteil des produzierenden Gewerbes an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung liegt weit vor Ländern wie Japan, England und Frankreich. Seit Mitte der 90er Jahre hat die deutsche Industrie sogar erheblich an Boden wieder gut gemacht und konnte erstmals seit Jahren wieder an Beschäftigung zulegen. Ohne industriellen Kern wird Deutschland auch in Zukunft den notwendigen Strukturwandel nicht bewältigen. Dabei wird es entscheidend auf Forschung und Innovationen ankommen und damit auf die Bereitschaft zu Veränderung. Mitten in einer globalen Weltwirtschaftskrise steht Deutschland vor der Frage: Fällt es in seine frühere Unbeweglichkeit zurück oder gelingt es, an Reformerfolge wie die Agenda 2010 anzuknüpfen und damit einen Wachstumspfad einzuschlagen? Wie kann die deutsche Wirtschaft insgesamt von den globalen Trends wie Globalisierung, demografischer Wandel, Urbanisierung, Ressourcenknappheit, Klimawandel, technologischer Fortschritt und Wissensgesellschaft profitieren?
Das vielbeschworene „Ende der Industriegesellschaft“ bleibt aus. Viel spricht für eine Renaissance der deutschen Industrie.
Dr. Daniel Dettling, Allianzmitglied und Vorsitzender des thinktanks berlinpolis